Geht´s noch, Conne ?

Gedanken über das Oi-The Meeting

 

  "Das Conne Island ist ein Zentrum von und für Linke, Jugend-, Pop- und Subkulturen."
                                                                                                                   (Akt. Def. aus  06-2001)

 

SO, nun ist es soweit. Nachdem ich dachte, nach der Band-Bestzung des Punk and Disorderly 2005 kann mich eigentlich nichts mehr Schocken, schafft es das Conne Island doch, mich zum schreiben eines Artikels über das Oi! – The Meeting! zu bewegen. Als Grundlage diente mir dazu ein vom Conne verfasster Artikel aus dem Jahre 98, auf den ich mich berufe. Der originale Artikel ist auf der Homepage vom Conne Island zu finden und ging ans AJZ Talschock.

 

Leipzig im Juni 2005

 

Die Tatsache, dass Nazis ohne jedwede Tarnungsversuche Konzerte und Veranstaltungsorte besuchen, die bis heute im allgemeinen Verständnis als „alternativ“, „antifaschistisch“, „antirassistisch“, „links“, mindestens aber als nicht rechts gelten, findet mensch in Leipzig nicht problematisch. Das OI! – The Meeting ist leider ein Beispiel dafür, dass die Annäherungsversuche der rechten Szene immer offensichtlicher werden und die grenzen zwischen „unpolitisch“ und „rechtsoffen“ zunehmend verschwimmen. Konsequenzen, wenn überhaupt über so etwas nachgedacht werden wird, werden wahrscheinlich nur unter Ausschluss der Szene, der Antifa und der Öffentlichkeit gezogen werden.
Summa Summarum: Eine riesengroße Schweinerei!

Mag sein, dass OI! nicht mehr das ist, ja nicht einmal mehr sein will, was es einmal sein wollte. Der Traum von der Gegenkultur „OI!“ ist im Großen und Ganzen heute in Deutschland unrealistischer denn je. Aber ist es nun schon soweit, dass die MacherInnen in der Szene zu besseren SozialarbeiterInnen für Bürgerliche, Nazis und deren Umfeld werden?

Jedes Kind weiß, wie es um die Jugendkultur im Osten bestellt ist. Den Nazis gehört bis auf wenige Ausnahmen die Straße, das Jugendzentrum etc. Die sogenannten DemokratInnen erschrecken immer wieder aufs Neue über die Hegemonie der Faschos. Die Antifa muss sich damit auf der ganzen Ebene alleine rumschlagen und weiß kaum noch, wo ihr der Kopf steht. Ausnahmen von der Regel bestehen dort, wo Jugendzentren existieren, in denen politische und kulturelle Projekte zusammengehen und dabei einen gemeinsamen Nenner haben: Gegen Nazis zu sein! Das heißt, auch wenn sich der Traum (von den Alten), im Takt von OI!-Musik die Gesellschaft umzustülpen, an der Realität blamiert hat, ist nicht jede lokale Szene, nicht jedes Projekt, jedes Individuum und schon gar nicht jede Entscheidung, welche in solchen Kreisen getroffen wird, unpolitisch oder gar rechtstolerant. Wer Gruppierungen wie RASH, Cable-Street-Beat u.ä. kennt, weiß auch, dass es möglich ist, gute OI!- Konzerte durchzuführen, ohne die sogenannten unpolitischen oder aber auch rechtsoffenen Skinheads zu einzuladen und zu unterstützen.
Fazit: Antifaschistische OI!-Konzerte sind die einzige Möglichkeit, die Nazis dauerhaft aus der Szene zu vertreiben.

Es reicht uns, dass jede SpießbürgerIn meint, die politische Einstellung von Skinheads an der Schnürsenkelfarbe erkennen zu können. Es reicht uns auch, dass in etlichen linken Läden Glatzköpfe ohne Gegen Nazis Aufnäher an der Tür abgewiesen werden, weil ihre Einstellung nicht eindeutig zu sehen sei. Deshalb sind antifaschistische OI!- Konzerte zu einem absolutem Muss geworden, wenn mensch die Nazis und ihre toleranten HelferInnen endgültig aus der Szene schmeißen will.
Ein Treffen wie OI! – The Meeting ist mit dieser Bandbesetzung deshalb leider vollkommen inakzeptabel! Es fördert, was die Nazis schon lange Versuchen: nämlich endlich präsent in Connnewitz und anderswo sein zu können. Und das sogar ohne Bullenschutz und geplanten Aufmarsch. Nur weil ein sog. alternatives Jugendzentrum durch ein unüberlegtes OI! – Konzert die Deppen geradezu einlädt und durch die Vermischung von unpolitischen und rechtsoffenen bzw. nazi-toleranten Bands für eine unüberschaubare Szene sorgt.

Einige Fakten:

Fangen wir mal euren polnischen Gästen namens Lumpex 75 an. Muss zu dem Foto vom Sänger ( Aufgenommen 2005, Quelle: eigene Homepage der Band ) noch etwas ergänzt werden? Jede/r weiß, welchen Eindruck mensch mit einem Skrewdriver-T-Shirt hinterlässt und keine/r aus der Szene kann sagen:“ Habe ich ja gar nicht gewusst.“Dazu kommt, dass der titelseitig verlinkte Mailorder „Pretorian“ vor Fraktur-S und schwarz-weiss-roten Farben nur so wimmelt. Zufall?

Dann wäre da noch unser Dauerbrenner Perkele. Ja sind die denn nun nationalistisch oder ‚nur patriotisch’? Macht das überhaupt einen Unterschied? Ich glaube nicht. Denn Stolz oder Würde zu empfinden aufgrund eines Ausweises in dem willkürlich durch Geburt und oder Aufenthalt ein Nationenkürzel eingesetzt worden ist, halten wir für mehr als dämlich, wenn nicht gar gefährlich, denn meistens steckt dann ja doch Ahnenkult, Herkunfts-Idealismus oder gar Rassismus dahinter. Ein Blick auf die Web-Seite vom Perkele-Label Blind Beggar zeigt uns ja, wo sich B.B.- Sympathisanten tätowieren lassen können. Beim Dark Sun, dessen Homepage zugeschissen ist,
mit Schwarzen Sonnen (einer Nazi-Intarsie aus der Wewelsburg), Thors-Hämmern, Wikingern und dem Schriftzug der Nazi-Band No Remorse. Außerdem wird auch noch der belgische Konzertschuppen De Kastelein beworben, der sich auch für Blood & Honour – Konzerte nicht zu schade ist und aktiv zu der rechten Szene gehört. Aber ist wahrscheinlich ist das auch nur Zufall.


Ein weiterer Zufall wird wohl auch der sein, dass die französische Band Lutèce Borgia direkt auf das französische Label „ Bord de Seine“ verweist, welches eine Vielzahl von rechtsoffenen Bands beherbergt(e, anscheinend hat sich das Label entweder Versteckt oder ist internetseitig umgezogen) und jeden unpolitischen Scheiss mitmacht (z.B. Oi! en France).

Diese Ansammlung rechtsoffener Bands zusammen mit „unpolitischen“ Bands wie Stomper 98 und Ska-Legenden wie The Beat aus Groß-Britannien vermischt die Skinhead-Szene bis ins Unkenntliche und öffnet somit den rechten AgitatorInnen Tür und Angel, da sie dort ein Publikum ansprechen können, zu welchem sie sonst keinen Kontakt haben. Der jahrelange Streit mit den Nazis in der Skinhead-Szene hat doch eindeutig gezeigt, wie mensch diese Arschlöcher nicht los wird: nämlich durch den geschmeidigen Übergang von unpolitisch über rechtsoffen zu offen nationalistisch. Eine klare Trennung ist die einzige Möglichkeit, die rechten Parolen aus der Szene zu jagen.

Wird diese Einstellung von Leuten aus der Szene, von den relevanten Agenturen und VeranstalterInnen aber nicht geteilt, dann sollte schnell und zwar ganz schnell darüber nachgedacht werden, wie mit ähnlichen Vorfällen in Zukunft umgegangen werden soll. D.h. welche Möglichkeiten der Sanktionierung gibt es gegenüber verantwortungslos handelnden Läden, Agenturen, Bands, Fans. Für uns steht zumindest jetzt schon fest, dass wir, solange das Conne Island kein Problembewusstsein signalisiert, allen AntifaschistInnen in der Szene nur abraten können, mit dem Conne Island in Leipzig zusammenzuarbeiten. Dies ist noch kein Boykottaufruf, könnte aber zu einem werden!

Antifa heißt Angriff. OI! is more than music. PC ist geil! Mit antifaschistischen Grüßen.

Cable Street Beat Berlin.

 


zurück